Ein kräftiges „Ja“ zum Umweltschutz – aber ehrlich!

Ein kräftiges „Ja“ zum Umweltschutz – aber ehrlich!
Bild von Daniel Lutze

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich ihre Empfehlungen zur Luftqualität aktualisiert. Darin wird deutlich: Die Beurteilung und Förderung der Luftqualität ist ein komplexes Forschungsfeld, denn die Aerosole in unserer Atemluft stammen aus unterschiedlichen Quellen und wirken sich je nach Beschaffenheit und Größe unterschiedlich auf unsere Gesundheit aus. Es gibt viel, was wir über sie noch nicht wissen.

Für die Deutsche Umwelthilfe, die seit einigen Jahren ein vollständiges Feuerwerksverbot fordert, scheint sie Sache hingegen klar zu sein: Kurz vor der Bundestagswahl nimmt sie die Veröffentlichungen der neuen WHO-Empfehlungen nicht etwa zum Anlass auf die Hauptquellen von sog. Feinstaub (Industrie, Landwirtschaft, Straßenverkehr) hinzuweisen – sondern rückt das individuelle Silvesterfeuerwerk in den Fokus der Kritik. (Siehe Pressemitteilung der DUH vom 23.09.2021)

Ist das berechtigt? Wir haben genau hingeschaut.

Darstellung der Deutschen Umwelthilfe

Einschätzung des BVPK

"Erst gestern hat die WHO mit neuen Empfehlungen für Luftqualitätsstandards bestätigt, dass jegliche unnötige zusätzliche Belastung mit Feinstaub vermieden werden muss."

In der Tat ruft die WHO ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, die Emissionen von Luftschadstoffen (darunter Feinstaub) zu reduzieren. Dazu formuliert sie Empfehlungen für Grenzwerte, keine verbindlichen Standards.

Auch geht es dabei nicht um eine Emissionsvermeidung um jeden Preis. Im Gegenteil, die WHO erkennt an, dass Menschen neben der Gesundheitsvorsorge andere ebenso berechtigte Interessen haben. Was vor diesem Hintergrund eine "unnötige Belastung" sein soll, geht aus den WHO-Empfehlungen nicht hervor.

Quelle: WHO 2021

„Entsprechend aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse hat die WHO die bisherigen Grenzwertempfehlungen für Feinstaub PM10 von 20 auf 15 µg/m3 und Feinstaub PM2,5 von 10 auf 5 µg/m3 im Jahresmittel verschärft. An Neujahr sind hingegen Stundenwerte (PM10) um 1.000 µg/m³ aufgrund der Silvesterfeuerwerke keine Seltenheit.“

Die Anpassung der empfohlenen Grenzwerte für die durchschnittliche Feinstaubkonzentrationen von 365 Tagen ist zutreffend dargestellt. Dieser Wert ist für die Gesundheitsvorsorge besonders relevant, denn laut WHO sind dauerhaft hohe Feinstaubwerte gefährlicher als kurzfristig erhöhte. Silvesterfeuerwerk hat auf den Jahresmittelwert jedoch nur minimalen Einfluss, denn es trägt nur 0,7% zu den Feinstaub-Emissionen eines Jahres bei.

Richtig ist, dass zu Silvester mancherorts für wenige Stunden sehr hohe Feinstaubkonzentrationen erreicht werden. Für derart kurze Zeiträume formuliert die WHO aber keine Grenzwert-Empfehlungen. Der Vergleich von Jahres- und Stundenmittelwerten ist also ein Scheinzusammenhang.

Quellen: WHO 2021, UBA 2020

„Starke kurzfristige Belastungen mit Feinstaub können der Gesundheit besonders schaden. Folgen der alljährlichen Feinstaub-Höchstwerte zu Silvester können vorübergehende Beeinträchtigungen der Atemwege und vermehrte Krankenhausaufnahmen wegen Atemwegserkrankungen bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen sein.“

Dass kurzfristig hohe Feinstaub-Konzentrationen gesundheitsschädlich wirken können, ist nicht auszuschließen. Grundsätzlich gilt jedoch laut WHO: Je länger die Feinstaubkonzentration andauert, desto eher treten gesundheitliche Schäden ein. Die Grenzwert-Empfehlungen beziehen sich daher auf die durchschnittliche Feinstaubkonzentration über 365 Tage bzw. 24 Stunden. Bei Feuerwerken beträgt die Exposition gegenüber erhöhten Feinstaubwerten selten mehr als 3-4 Stunden. Vermehrte Krankenhausaufnahmen aufgrund von Feuerwerksfeinstaub sind statistisch nicht belegbar.

Quellen: WHO 2021, UBA 2020

„...Feinstaub von Silvesterfeuerwerken ist laut Umweltbundesamt besonders schädlich für die Atemwege.“

Die unterschiedliche Toxizität verschiedener Feinstäube ist laut WHO ein "herausforderndes Forschungsfeld". Das Umweltbundesamt formuliert dazu Annahmen und Vermutungen, ohne diese mit wissenschaftlichen Quellen zu belegen. Beim Abbrand von Feuerwerk entstehen vor allem wasserlösliche Salze, welche – im Gegensatz zu den Rußpartikeln aus Verbrennungsmotoren – aus den Atemwegen ausgewaschen werden.

Quellen: WHO 2021, UBA 2020, Keller & Schragen 2021

„Durch das deutschlandweite Verkaufsverbot zum vergangenen Jahreswechsel wurden 3.500 Tonnen Plastikmüll eingespart.“

Hierbei handelt es sich um eine falsche Wiedergabe des Ergebnisses einer Bachelorarbeit an der Hochschule Pforzheim. In Wahrheit berechnen die Autoren der darauf basierenden Veröffentlichung einen Kunststoffanteil von 3.088 Tonnen. Dass die Analyse methodische Schwächen aufweise, zeigt folgendes Beispiel: Die Autoren aus Pforzheim beziffern den Anteil der Raketenspitzen am Gesamtplastik aus Feuerwerk mit 172 Tonnen. Das Umweltbundesamt kommt in einer eigenen Berechnung auf lediglich 49 Tonnen. Der Großteil des entstehenden Plastiks wird fachgerecht über den Hausmüll und die Stadtreinigungen entsorgt.

Quellen: Woidasky et al. 2021, UBA 2020

„Auch die Zahl der Verletzten und Feuerwehreinsätze haben sich stark reduziert: In Berlin gab es rund 300 Notrufe und 661 Feuerwehreinsätze weniger als im Vorjahr.“

An Silvester 2016/17 verringerte sich die Zahl der Notrufe um 465 im Vergleich zum vorherigen Jahreswechsel - und das mit Feuerwerk! 

Die 661 "Feuerwehr-Einsätze weniger" umfassen nicht nur Einsätze der Feuerwehr zur Brandbekämpfung, sondern auch der Rettungsdienste der Feuerwehr. Die Covid-bedingte Einschränkung des Berliner Nachtlebens sowie die Absage aller öffentlichen Veranstaltungen dürfte zu einer Reduzierung der größten Gefahrenquellen zu Silvester beigetragen haben: Alkoholkonsum und Streit. Verletzungen mit Feuerwerk sind bei Berlins größtem Krankenhausträger für nur 5% aller Einlieferungen zu Silvester verantwortlich.

Quellen: Polizei Berlin in Märkische Allgemeine 2017, Berliner Feuerwehr, Vivantes Kliniken 2019

„Laut der Parteien-Abfrage der DUH missachten SPD, CDU und FDP den Wunsch der Mehrheit: Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2020 stellte heraus, dass 64 Prozent der Bevölkerung für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in Innenstädten sind.“

Die hier zitierte YouGov-Umfrage aus dem November 2020 bezieht sich explizit auf das letztjährige Feuerwerksverbot zur Entlastung der Krankenhäuser in einer Pandemielage ohne Impfstoff und lässt somit keine Rückschlüsse auf die grundsätzliche Haltung der Bevölkerung zu Feuerwerk zu. Auftraggeber und Stichprobenauswahl der Umfrage sind nicht transparent. Eine Forsa-Umfrage aus 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass 80% der Bevölkerung ein Feuerwerksverbot ablehnen.

Quellen: YouGov 2020, Röder Feuerwerk 2021

„Die positiven Auswirkungen eines böllerfreien Silvesters dürften spätestens nach dem letzten Jahreswechsel allen bekannt sein: Weniger Luftbelastung, weniger Müll, weniger Lärm, weniger Verletzte.“

Die Bilanz eines Silvesters ohne Feuerzauber liest sich wie folgt: 

0,7% weniger Feinstaub, 0,00013% weniger fossiles CO2 und 0,05% weniger Hausmüll pro Jahr; 1-2 Stunden mehr Schlaf für Mensch und Tier sowie 5% weniger Verletzungen in einer Nacht. 

Auf der anderen Seite: Verlust einer für alle zugänglichen Kulturpraktik, eines Kurzzeit-Abenteuers und Belohnungs-Rituals sowie einer Quelle außergewöhnlicher Erinnerungen. 

Quellen: BVPK 2021

„Private Silvesterfeuerwerke und Böller sind gesundheitsschädlich und veraltet.“

Für Deutschland zugelassenes Silvesterfeuerwerk ist behördlich auf Sicherheit geprüft. Feuerwerk begeistert Millionen von Menschen - Jung und Alt, hierzulande, bei unseren europäischen Nachbarn und auf der ganzen Welt und kann daher nicht als „veraltet“ betrachtet werden. 

Quellen: BAM

Nach Auffassung der Freundinnen und Freunde des Feuerwerks ist es daher folgerichtig, dass sich die Mehrheit der Parteien in Deutschland gegen ein Feuerwerksverbot ausspricht. Als ihre Interessensvertretung fordert der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk eine sachliche und faktenbasierte Diskussion zum Thema Feuerwerk sowie den Erhalt und die Förderung von Feuerwerk als Kulturpraktik.

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